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Diese Woche wagen wir ein Experiment. Ermutigt von letzter Woche, untersuchen wir heute, ob sich der Rod Stewart-Effekt auch auf andere Musik übertragen lässt. 36 Minuten und 20 Sekunden. Sophie Zelmani, meine vielleicht kürzeste CD. Ich bin schon mitten in Track 1. Nur noch neuneinhalb weitere Songs. Na dann los!

Heute Abend verpasste ich meine S-Bahn und da ich zurzeit ziemlich lauffaul bin, liess ich zwei weitere S-Bahnen ausfallen und wartete auf die drittnächste. Denn wer will schon in Zürich auf Gleis 53 ankommen? Ich habe auf die Uhr gekuckt, man läuft rund fünf Minuten von diesen fast in den Aargau zurückversetzten Geleisen, bis man endlich in der grossen Bahnhofshalle angekommen ist. Eine Dauer also, während der man wohl 50 Prozent aller Schweizer Dörfer durchquert hätte. Zu Fuss natürlich. Also wartete ich in der eisigen Kälte, bis mal wieder eine vernünftige S-Bahn einfuhr mit Halt im Untergeschoss des Hauptbahnhofs. Dann kamen zwei junge Frauen daher, die eine litt unter unheilbarem Redefluss. Sie absolvierte gerade einen wissenschaftlichen Test, in dem sie für 25 Franken pro Stunde Games testen musste. Nebenbei erwähnte sie, dass sie sich überhaupt nicht für so n’ Scheiss interessiere und dass ihr Lieblingsspiel Minesweeper sei. Hach, Minesweeper! Zusammen mit Solitaire innerhalb der Gamewelt wohl so was wie Adam und Eva. Oder noch weiter zurück: Chronos und Gaia! Wem diese Namen nichts sagen: Seid froh! Verdammt froh sogar! Denn diese Namen zu kennen, bedeutet, vier oder noch mehr Jahre im Lateinunterricht gelitten zu haben! Ich sass also am Bahnhof Oerlikon und wartete elf Minuten auf die nächste S-Bahn. Elf Minuten, in denen ich von besagtem Redefluss übergossen und schier ertränkt wurde. Es war kaum zum Aushalten, doch das nächste Bänkli gut zwanzig Schritte entfernt. Und wie gesagt, ich war ein bisschen lauffaul! Also ergab ich mich meinem Schicksal. Dies führte nun leider dazu, dass ich in der Folge nicht umhin kam, mir selber zuzuhören, wie ich einem Kollegen, den ich später zufällig im Zug traf, von meinem Leben nach dem Studium berichtete. Was ich so mache und anstelle. Dies ist eine Geschichte, wie ich sie wohl in den letzten Wochen etwa ein Dutzend Mal erzählt habe. Aber man wechselt innerhalb von wenigen Wochen ja auch eher selten Beruf, Leben und Lieblings-CD. Und es ist ja auch kein Zufall, dass man vor allem im Zug immer mal wieder alte, neue, gute, schlechte, enge und flüchtige Freunde trifft. Also erzählt man diese Geschichte besonders häufig im Zug. Ausser man würde Auto fahren. Vielleicht beginnt man dann aber zu singen. Was gibt es Überraschenderes, Grossartigeres und Peinlicheres, als den gleichen Song, den man selber gerade am Singen ist, im entgegenkommenden Auto lippenzulesen. Ob man anhand meiner Lippen wohl schon erkennen kann, wie schlecht ich singe? Wobei: Niemand singt schlecht, singen können alle! Einer dieser lieben, netten Sätze, um die ich unglaublich dankbar bin. Wie es ja auch ausschliesslich auf die inneren Werte drauf ankommt. Vielleicht beim Kuchen, ja! Und da man ja immer mehr oder weniger zur selben Zeit im selben Zug und sogar im selben Wagen sitzt, sitzen einem auch immer mehr oder weniger dieselben Köpfe gegenüber. Auch wenn man sich bei gewissen Gegenübern weniger auf die Köpfe konzentriert. Das bedeutet also: Es gibt ein paar ganz arme Siechen, die mussten sich die immer gleiche Geschichte von diesem nervigen Stotter-Fritzen schon zig Mal anhören. Gott bewahre! Ich werde mich gleich morgen in aller Form entschuldigen!



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