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PROLOG
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Auch Tschyses braucht mal Pause! Meine Kolumne geht in Winterpause. Da die nächsten drei Monate ziemlich stressig zu werden scheinen, fehlt mir schlicht die Zeit, um Woche für Woche was Zufriedenstellendes auf den Punkt zu bringen. Da schreibe ich lieber gar nichts, als was Halbpatziges. Das soll kein endgültiges Ende sein, zirka Mitte April bin ich wieder da. Bis dahin werde ich mich anderen Projekten widmen. Schon recht weit gediehen ist meine Musical-Version von Rambo. Doch bevor ich verstumme, hier noch meine letzte Kolumne dieser ersten Periode. Sie ist etwas länger ausgefallen als üblich und gegliedert in vier Teile. Ganz klassisch halt.


ERSTER TEIL
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Jetzt mal im Ernst: Eigentlich mag ich Ferien nicht so! Nicht, dass ich ein Workaholic wäre, ganz im Gegenteil. Doch die Sehnsucht nach dem Nichtstun ist irgendwie nur im grössten Stress so verlockend. Hat man erst mal zwei, drei Tage nichts getan, entpuppt sich das Nichtstun irgendwie halt doch als wenig prickelnd. Klar mag ich Ferien am Meer. Und ich mag Ferien auf der Skipiste, in einer Pariser Brasserie oder auf den Ramblas. Doch zu Hause komme ich mir einfach so untätig und unnütz vor. Und vor lauter Zeit stechen plötzlich all die Flecken und Ungereimtheiten überall in der Wohnung ins Auge. Bei genauer Betrachtung ist ja eigentlich jedes Schränkchen, jede Schublade, jede Türfalle und jede Gitarrensaite total verdreckt und zugekotzt. (Nein, ich spiele nicht Gitarre. Noch nicht. Doch zu den Vorsätzen später.) Und dann beginnst du mal zu putzen und schon klingelt der Wecker und du sitzt wieder im Zug zur Arbeit. «Was hast du in den Ferien gemacht?» «Geputzt!» Also lieber nicht putzen, kann man ja auch später noch. Frühlingsputz im Winter wäre sowieso pervers. Also lieber nichts tun! Einfach mal nichts tun, die Seele baumeln lassen, nichts müssen, Ferien, herrlich. Nichts müssen? Ja denkste! Da stehen zwei prall gefüllte, blaue Ordner in der Ecke rum. Dazu zwei noch in Zellophanfolie eingeschweisste Bücher. «Strategie und Technik der Werbung». Und irgendwo in der gegenüberliegenden Zimmerecke die wutentbrannt zerknitterte Leseliste dazu. Ich werde doch bestimmt nicht lernen in meinen Ferien! Wäre ja noch schöner! Und wer hatte eigentlich die saudumme Idee mit dieser Werbetexter-Schule? Irgendwie ist dieses Buch an allem schuld. Dieses eine Buch, das ich so grossartig fand. Er ein Werbetexter, sie eine Werbetexterin, cool, Werbetexter! Der Gedanke daran erschien mir ganz entzückend. Immerhin weiss ich jetzt, nach nur zwei Kurstagen, dass die Werbung nichts ist für mich. Geht mir irgendwie überall so. Ich frage mich, wenn ich ins Porno-Business einsteigen würde, ob ich dann Sex auch doof finden würde nach zwei Tagen? Doch jetzt nagt erst mal das schlechte Gewissen allzu lästig beim Nichtstun. Glücklicherweise fand dieses jedoch ein abruptes Ende, als ich erfuhr, dass die gesammelte Scheisse meines Blocks via Parkettboden meines Nachbars in mein Kellerabteil getropft ist. Es gibt mindestens neun Kellerabteile da unten, aber bitte, auf meinen Scheiss kann die Scheisse ja rinnen. Ich neige bei der Schilderung dieses Malheurs notorisch zu übertreiben und was man sich jetzt unglaublich ekelhaft vorstellen könnte, entpuppte sich bei genauerem Hinschauen als gar nicht allzu schlimm. Im Gegenteil, das verstopfte Abflussrohr bot mir eine willkommene Gelegenheit, um erstens dem Lernen zu entfliehen und zweites endlich mal meinen Keller zu räumen. Und weil irgendwie auch meine eigenen Sekrete mit an meinen Sachen hingen, konnte ich gar nicht so richtig über die anderen Schweinehunde fluchen. Auf alle Fälle ist mein Keller jetzt 40 Kilogramm leichter. Vorausgesetzt, ein Keller hat ein Gewicht. Und als ich den Abfall in die Kehrichtverbrennung brachte, wog das Auto meines Vaters, zusammen mit mir in eher schwerer Kleidung, zusammen mit 40 Kilo Abfall, zusammen mit noch nicht ganz getrockneter Pisse hier und dort im Karton exakt 1'500 Kilo. Aufs Loch! Leider hat das sonst niemand bemerkt. Und es gab nicht mal einen Blumenstrauss und in der Zeitung ist am nächsten Tag auch nicht darüber berichtet worden. Ich fand’s dennoch ein bisschen schön.


ZWEITER TEIL
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Es gibt einen Laden, in dem ich unweigerlich in einen ekstatischen Kaufrausch gerate. Man würde mir das vielleicht gar nicht geben, aber im Do-it gibt es bei mir kein Halten mehr! Man weiss ja wirklich nie, wann man mal froh über einen Winkelschleifer wäre. Oder eine A2-Schneidmaschine. Eine Kompost-Plane, drehbare Gummi-Räder, Absperrband, ein Notstromgenerator, ein Schweissgerät, Angelleine, eine Betonschaufel oder eine Garten-Sauna. Zugegeben, ich brauche diese Dinge nicht in unmittelbarer Zukunft. Doch man weiss halt nie! Und ich sage Ihnen dies jetzt im Vertrauen: Ich bin der verkappte Heimwerkerkönig! Leider passiert mir aber im Do-it immer dasselbe Missgeschick. Ich denke, ich brauche ja bloss ein kleines Weinregal. Gehört schliesslich zum Erwachsenwerden dazu. Zuerst machst du die Autoprüfung, dann kaufst du dir ein Weinregal und schliesslich wählst du FDP. Die normale Entwicklung. Ich bin also im Stadium Weinregal. Kannst du ja locker tragen, denke ich und gehe zielgerichtet an den Einkaufswagen vorüber, ohne ihnen überhaupt Beachtung zu schenken. Doch ich komme noch nicht mal zu den Abfluss-Entstopfungs-Werkzeugen, schon bleibe ich in der Papeterie-Abteilung hängen. Beim Eingang gleich rechts. C6-Couverts, 200 Stück. Klar, braucht man immer! C5-Couverts mit Fenster rechts? Super, sieht immer so professionell aus. Besonders, wenn man die Adresse mit Computer anschreibt. Ich gehe weiter. Super-Magnete? Gekauft. Von der NASA entwickelte nano-technologische Möbel-Untersätzli für jeden Bodenbelag. Endlich widmet sich die NASA mal den wichtigen Dingen des Lebens; brauch ich! Ich habe nämlich kürzlich bemerkt, dass die 7-Franken-IKEA-Stühle meinen Parkett komplett ruiniert haben – trotz Filz-Gleiterli. Ist ja überall so: Man bemerkt den Schaden immer erst, wenn’s völlig am Arsch ist. Doch nie bemerkt man Unheil im Moment der Entstehung. Ein Dilemma. Doch das passiert mir jetzt mit den Nano-Gleiterli garantiert nicht mehr. Oder haben Sie mal in einem Space Shuttle einen zerkratzten Parkett gesehen? Na eben! Endlich bin ich bei den Weinregalen angelangt, da bemerke ich, dass ich zwar noch knapp das preisreduzierte singende WC-Bürsteli tragen kann, doch für das Weinregal reicht meine Muskelkraft nun wirklich nicht mehr. Und in genau diesem Moment denke ich immer – bei wirklich JEDEM Einkauf –, dass der Coop ein ganz hinterhältiger und fieser Laden ist. Denn natürlich gibt es im Do-it DRIN weit und breit keine Einkaufswagen zum Holen. Nein, die stehen natürlich DRAUSSEN, also HINTER der Kasse. Mir bleibt nichts anderes übrig, als all meine Sachen wieder in die Regale zurückzustellen, mich an der Kasse durchzuquetschen, draussen zu bemerken, dass ich kein Münz habe, am Info-Schalter anzustehen und zu warten, bis die alte Frau ihr Bügeleisen gegen einen Dampfduschkopf eingetauscht hat, die Zehnernote gegen Münz zu wechseln, ein Wägeli zu holen, zu bemerken, dass das linke Vorderrad blockiert ist, leider zu spät, so dass ich mich erst in aller Form beim betagten Rentner entschuldigen muss, dass ich in seine Gehhilfe gedonnnert bin, bevor ich endlich meinen Einkauf wieder von vorne beginnen kann. Jedes Mal, ich lerne es nie!


DRITTER TEIL
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Ich studierte die Schmiererei an meinen Fensterscheiben und überlegte mir ernsthaft eine Sekunde oder zwei, ob ich vielleicht die Fenster putzen sollte. Doch dann drückte Gott sei Dank die Sonne durch. Und bei Sonnenschein putze nie die Fenster! Weiss ja jedes Kind. Nur ich wusste diese eiserne Regel leider noch nicht, als ich vor zwei Jahren das letzte Mal meine Scheiben putzte. Seither sind sie verschmiert wie blöd. Doch wie lange werde ich wohl noch in dieser Wohnung leben? Ein Jahr, vielleicht zwei. Da lohnt es sich ja echt nicht mehr, die Schmiererei noch zu beseitigen. Also ging ich in den Starbucks. Ich frage mich, ob der Notenschnitt an den Schulen gestiegen ist, seit es Starbucks gibt. Denn plötzlich ist Lernen grausam trendy. «Weisch mer hänges grad em Starbucks ond send chli am lerne!» Früher wäre man als Streber gekreuzigt worden, heute ist man grausam cool damit! Vielleicht sind auch einfach nur die Kindergeburten gestiegen, weil man eigentlich gar nicht lernen geht, sondern bloss mit der geilen Streberin im Sessel gegenüber flirten will. Gilt natürlich nicht für mich, ich wollte bloss mal wieder lesen, ohne bei jedem Kopfheben mit dem Dreck in meiner Wohnung konfrontiert zu werden. Mal wieder lesen. Seit dem Sommer und seit Connie Lubek boykottierte ich die Bücherwelt, weil ich einfache keine Lust mehr hatte auf Bücher. So wie man nach einem Amarone den Dôle höchstens noch fürs Pot-au-Feu oder allenfalls zum Basteln brauchen will. Klar, das Buch war keine grosse Literatur. Aber einfach verdammt gut! Jetzt habe ich’s mal mit Michèle Rotens gesammeltem Werk probiert. Immerhin kommen dort teilweise dieselben Sätze vor wie bei Lubek. Einfach in anderen Worten. Kein deliziöser Rotwein zwar, aber doch zu schade, um damit Tulpenblätter zu massieren. Ich weiss nicht, ob man das macht, klingt für mich aber nicht viel bescheuerter, als irgendwelche Rinder mit Bier zu bürsten. Ich sass also gemütlich im Starbucks. Übliches Publikum. Frauen in Leggings und Stiefeln, die entweder lesen oder auf ihren Freund warten. Frauen in knallengen Jeans und Sneakers, die über Kolleginnen lästern und pro Minute dreimal ihr Handy checken. Der Nerd in verwaschenen Jeans, der einen Film auf seinem Acer-Laptop schaut und dabei immer auflacht wie ein kastriertes Wollschwein, wenn mal wieder was Lustiges passiert im Film. Vermutlich Scary Movie 5 – bereits heruntergeladen, noch bevor der Film überhaupt gedreht wurde. Der gutfrisierte, betont leger gekleidete Typ in Leder-Converse, der auf seinem Apple-Notebook irgendeine Master-, Liz- oder Semester-Arbeit töggelt. Und dann – natürlich – die Frau mit absichtlich hässlicher Brille. So eine gibt’s immer! Ganz egal, ob im Starbucks oder in Grosis Tea Room, eine Frau mit betont hässlicher Brille sitzt immer da. Egal, ob am Morgen oder nach Mitternacht. Immer. Denn es ist zur Zeit grausam en vogue: «Hey schaut, ich trage eine hässliche Brille, ich bin dammi anti-cool!» Zumindest bist du unglaublich ehrgeizig, da man wahrlich sehr weit zurückgehen muss mit der Zeitmaschine, um eine derart hässliche Brille auszugraben. Diese Brillen sind so hässlich, dagegen sah Haider nach seinem Autounfall aus wie frisch geduscht! Frauen mit absichtlich hässlichen Brillen machen mich aggressiv. Und es gibt nur wenige Situationen, in denen ich ausrasten könnte. Wenn ich Neonazis sehe vielleicht. Oder wenn das Zürcher S-Bahn-Netz wegen zwei Zentimeter Neuschnee kollabiert. Wenn Toni Brunner nach gewonnener Abstimmung so fröhlich grinst. Oder wenn mich zwei halbtote Wachturm-Missionare am Samstag Morgen um neun Uhr aus dem Bett klingeln. Ja, dann raste ich aus. Nur dann. Und eben, wenn Frauen mit voller Absicht hässliche Brillen tragen. Besucht doch einen Sprachkurs für Hindustani oder kocht nur noch nach alt-mikronesischer Art, wenn ihr individuell sein wollt. Das macht sonst ja auch keine Sau und ihr quält damit zumindest nicht meine Netzhaut. Vermutlich behalten sie diese Brillen sogar beim Sex auf und beharren auf Stellungen, die ihre individuelle, herausragende Position in der Gesellschaft nicht kompromittieren. Vielleicht gehen sie auch ab wie Gina Wild, wer weiss.


VIERTER TEIL
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Kürzlich wurde mir eine Publikation über Videoarbeiten zugeschickt, in der auch ich mit einer Arbeit vertreten bin. Arbeit ist vielleicht das falsche Wort, aber Werk trifft es noch weniger. Herausgegeben wurde das Buch unter anderem von Martin Heller. Man könnte also sagen: ein wichtiges Buch! Meine Arbeit ist auf dem ausklappbaren Buchumschlag abgebildet: 1.89 Quadratzentimeter gross. Im Buch selber wird sie nicht weiter beschrieben. Der Index zum Schluss des Buches birgt meine ausführliche, jedoch nicht ganz aktuelle Biografie auf 10.725 Quadratzentimetern und gibt die technischen Daten zum Film auf 7.84 Quadratzentimetern wieder. Das ganze Buch umfasst 108'240 Quadratzentimeter, verteilt auf 328 Seiten. Meine Bedeutung innerhalb der Schweizer Videokunst kann man folglich exakt beziffern: 0.0189 Prozent. Oder anders ausgedrückt: Kein Weg führt an mir und meiner Kunst vorbei. Ecce artifex! Ich hasse übrigens das Brummen meiner Stereoanlage, welches sie von sich gibt, wenn gerade keine Musik aus den Boxen quillt. Hängt noch der Drucker an derselben Steckleiste, dann wähnt man sich in einer Trafostation oder in sonstiger krebserregender Umgebung. Das ist Elektrosmog erfahrbar gemacht für Dummies. Ich nerve mich tierisch ab diesem Summen, bin aber bisweilen doch zu faul, um einfach eine neue CD einzulegen. Ist ja auch immer so eine Sache mit CDs, weil eigentlich hat man sowieso nur selten im IKEA-Benno stehen, worauf man im Moment grad eine Mordslust hätte, es zu hören. Jetzt hätte ich nämlich Lust auf Hip-Hop. Der jedoch nicht so klingt wie alle Hip-Hop-Scheiben, die in meinem Benno rumstehen. Es müsste irgendwie komplett anders stampfen und vibrieren. Oder einfach mal wieder guten Pop, der so süffig daher kommt wie dieser Amarone, den wir an meinem Geburtstag hatten. Pop, der sich deliziös in der Magengegend ausbreitet, wie ein Stück Brombeerquarktorte. Doch ich habe lediglich Pop im Regal, der nach Gin Tonic schmeckt, jedoch mit Citro angemischt, oder Pop, der überall kleben bleibt wie ein halb zerschmolzenes Carambar. Kürzlich habe ich mir die erste Klassik-CD im iTunes-Store gekauft. Ich kam mir ziemlich pervers vor. Klassik mit 128 Kilobits! Ich Banause, genauso gut könnte ich einen Dacia-Motor in einen Testarossa pflanzen. Gleichzeitig kam ich mir aber auch sehr erwachsen vor. Doch im Moment habe ich keine Lust auf Klassik. Ich werde also noch eine Weile das Brummen erdulden. Gestern las ich von einem zum Tode Verurteilten (also wie Puff Daddy in «Monster’s Ball» – damit wir alle ein Bild vor Augen haben). Sein Gnadengesuch wurde vom Gouverneur abgelehnt und so setzte man ihm gerade die Giftspritze, da sprach er noch rasch seine letzten Worte: «Richten Sie dem Gouverneur aus, er hat soeben meine Stimme verloren!» Das sind vielleicht gelungene letzte Worte, richtig beneidenswert! Es ist nämlich extrem schwierig, man unterschätzt dies bestimmt zu Lebzeiten. Passende Worte zu finden, die der vollumfänglichen Bedeutung dieser Situation gerecht werden. «Eine Runde Freibier für alle!» fände ich zum Beispiel einen ganz tollen Spruch. Der letzte von Haider ist auch ganz gut: «Jawoll, der Jörgel überholt euch alle rechts!» Der zum Tode verurteilte Häftling hatte natürlich einen nicht zu unterschätzenden Vorteil: Er konnte seinen letzten Satz ziemlich präzise timen. Denn was, wenn ich eine Runde Freibier ausgebe und dann lebe ich noch zwei Tage? Irgendwie doof. Man kann es natürlich knallhart durchziehen und einfach zwei Tage lang schweigen. Aber irgendwie will man halt immer auch das letzte Wort haben, so muss man sich dann wohl doch was Neues einfallen lassen. Das Freibier zu toppen, wird allerdings eine ziemliche Herausforderung. Die eher esoterisch Veranlagten könnten natürlich auch sagen: «Je ne regrette rien!» Allenfalls müsste man das der Korrektheit halber noch einschränken und sagen: «Ich bereue nichts – ab dem Jahr 2000-soundsoviel.» Oder wenigstens: «Ich bereue nichts im Zeitraum von 2000-soundsoviel bis 2000-soundsoviel.» Leben ja längst nicht alle wie die Engel. Dürfen Häftlinge eigentlich auch wählen und abstimmen? Wäre ja noch wichtig, gerade im Hinblick auf die Ausweitung der Personenfreizügigkeit. Weil ich als Häftling hätte also grad gar keinen Bock darauf, dass mir irgendwelche Rumänen oder Bulgaren den Platz am Ping-Pong-Tisch streitig machen! Es wird einem ja sonst nichts gegönnt im Knast.


EPILOG
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2009 – ein neues Jahr also. Ich bin heilfroh, habe ich Silvester überstanden. Denn ich mag diesen Tag nicht. Klar, er hat ohne Zweifel auch Schönes hervorgebracht. Doch mir ist die Bedeutung irgendwie suspekt. Wieso soll plötzlich klappen, was im vorausgegangenen Jahr nicht hingehauen hat? Vorsätze sind irgendwie infantil. Ottfried Fischer will abnehmen und Roland Nef seine Partnerin nicht mehr als Hure beschimpfen. Meine Vorsätze? Ich will schneller abwaschen, damit mir mehr Zeit zum Fernsehen bleibt. Ich will im Zug nur noch vorwärts fahren, damit ich im Leben weniger zurückblicke. Ich will Musiker werden, damit die Schweiz endlich mal wieder den European Song Contest gewinnt. Und ich will mehr Sex! Kann man das überhaupt beeinflussen? Ohne dafür bezahlen zu müssen, natürlich. Dort weiss man ja sowieso nie, ob nicht Roland Nef schon mal drüber ist. Die Quersumme von 2009 ist 11 und die Quersumme davon ist 2. Die Zwei steht für Dualität, für den Kampf von Gut und Böse, man weiss das Oben nicht zu schätzen, ohne das Unten erlebt zu haben. Oder in den (leicht abgeänderten) Worten von Jaguar Wright: «Same shit, different year!» Aber es gibt auch Hoffnung, denn ist Ihnen schon aufgefallen, dass Track Nummer 9 auf CDs immer die schönste Ballade ist? 2009 wird also ein romantisches und glückseliges Jahr! Und Kopf hoch Herr Nef, Männer zu ficken finden weite Teile dieses Landes gar nicht so schlimm!



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